WEINSBERGER Kälberbesonnung

 

Besonnungsanlagen

in der Fressererzeugung

(Verfasser: Dr. H. Strobel)

 

Zusammenfassung

Ausgehend von der Überlegung, dass landwirtschaftliche Nutztiere in modernen Haltungssystemen z. T. lebenslänglich bei künstlichem oder durch Fensterglas gefiltertem Tageslicht gehalten werden, wurde der Einfluss von Infrarot- und UV-Besonnung auf Wohlbefinden und Tageszunahmen in der Fressererzeugung untersucht. Signifikante Steigerungen der Tageszunahmen waren bei Besonnungszeiten von 1 Stunde festzustellen. Dieser in der tierärztlichen Praxis durchgeführte Pilotversuch zeigt, dass hinsichtlich des Entzugs von natürlichem Sonnenlicht eine artgerechte Tierhaltung auch wirtschaftliche Vorteile bringt.

 

 

Einleitung

Die Verwendung von Besonnungsanlagen ist fester Bestandteil der physikalischen Therapie in der Humanmedizin. Die Erforschung der vielfältigen Wirkungen von Licht unterschiedlicher Wellenlängen auf den Organismus führte zu zahlreichen Indikationen für die Besonnung mittels UV- und Infrarotstrahlern u. a. in der Dermatologie. Neben zahlreichen eher unspezifischen Wirkungen auf den Gesamtorganismus durch die Erweiterung der Kapillaren in der Peripherie, Einflüsse auf das vegetative Nervensystem und die hormonelle Regulation durch Lichtreize, sind ganz konkrete biochemische Reaktionen bekannt, die nur unter Einfluss von
Licht bestimmter Wellenlängen ablaufen können wie die Hydroxilierung des Cholekaziferols bei der Vit D 3-Synthese. Im Bereich der Tierhaltung werden Infrarotstrahler seit langem als Wärmequelle in der Jungtierzucht eingesetzt. Verwendet wird dabei die reflektorische Wärmewirkung langwelligen Infrarotlichtes. Die Anwendung kombinierter UV- und Infrarot-Besonnungsanlagen ist weitgehend auf die Pflege von Sportpferden beschränkt. In der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere wurde dem Einfluss der Beleuchtung auf die Tiergesundheit bisher nur insofern Rechnung getragen, als gewisse Mindestbeleuchtungswerte für die Stallhaltung erarbeitet wurden, wobei der spektralen Zusammensetzung des verwendeten Lichtes keine Bedeutung beigemessen wurde. Nachdem Freilandhaltung oder Weideaustrieb zahlenmäßig fast bedeutungslos geworden sind, steht der weitaus größten Zahl der landwirtschaftlichen Nutztiere nur Licht zur Verfügung, das entweder durch Fensterglas gefiltert ist oder von Glühfaden- bzw. Leuchtstoffröhren erzeugt wird. Ein Teil der landwirtschaftlichen Nutztiere (z. B. Mastschweine oder Mastkälber in bestimmten Haltungsformen) erblickt während des gesamten Lebens kein natürliches Sonnenlicht. Diese Gesichtspunkte führten zu der Überlegung, ob bei ansonsten völlig gleichen Umweltbedingungen durch die Substitution bestimmter Spektralbereiche messbare Unterschiede zwischen Versuchsgruppe und Kontrollgruppe bezüglich wirtschaftlich relevanter Kriterien wie Futterverwertung oder Tageszunahmen festzustellen sind.

 

 

Material und Methode

Als Versuchsbetriebe dienten zwei Fressererzeugerbetriebe, in denen die Umstellung von Zukaufkälbern mit einem Einstallgewicht von 70 kg bis 100 kg von Milchaustauschertränke auf Mastfutter bis zu einem Verkaufsgewicht von 150 kg bis 200 kg vorgenommen wird. Die Kälber der Rasse Deutsches Fleckvieh werden in Gruppen auf Tiefstreu gehalten und zweimal täglich gefüttert. Während der Fütterungszeiten stehen
die Tiere in einer Reihe, so dass sich die Anbringung von Besonnungsanlagen über dem Fressplatz anbot. Als Besonnungsanlagen wurden Anlagen der Firma Weinsberger International verwendet. Die aus zwei Teilaggregaten (links und rechts) bestehenden Geräte mit einer Leistungsaufnahme von 4,8 kW wurden halbiert und hintereinander in einer Höhe von etwa 100 cm² über dem Rücken der Tiere montiert (s. Foto). Die Anlagen erzeugen Licht, dessen spektrale Zusammensetzung vom UVB-Bereich über den UVA-Bereich, das sichtbare Spektrum und den kurzwelligen Infrarotbereich bis ins mittelwellige Infrarot reicht. Die möglichen Besonnungszeiten wurden nach mehreren Vorversuchen. bedingt durch Management und Fütterungstechnik, in Betrieb 1 auf zweimal 10 Minuten, in Betrieb 2 zunächst auf zweimal 20 Minuten (Gruppe 1 und 10) festgelegt. Während dieser Fresszeiten waren alle Tiere der Versuchsgruppen gleichzeitig der Besonnung ausgesetzt. Bei den weiteren Versuchen (Gruppen 2/20 und 3/30) blieb die Anlage für weitere 20 Minuten angeschaltet, während der die Kälber sich nach Belieben unter der Besonnungsanlage aufhalten konnten. Die Kontrollgruppen blieben unbesonnt. Die Auswahl der Tiere für Versuchs- und Kontrollgruppe erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Es wurden die Einstallgewichte mit den Verkaufsgewichten nach etwa 90 Tagen verglichen. Die ermittelten Gewichtsdifferenzen und Tageszunahmen wurden statistisch ausgewertet.

 

 

Ergebnisse

In Betrieb 1 (2 x 10 Minuten Besonnungsdauer) konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden. Da Gruppen nur mit jeweils 8 Tieren gebildet werden konnten, waren die Ergebnisse in zu hohem Maße durch das Auftreten von Einzeltiererkrankungen beeinflusst, so dass eine weitere Auswertung unterbleiben musste. Die Ergebnisse in Betrieb 2 sind in folgenden Tabellen zusammengefasst:
Wie sich aus Tabellen und Säulengrafiken ergibt, wiesen die Tiere aller Versuchsgruppen höhere Differenzgewichte und höhere Tageszunahmen auf als die Tiere in den Kontrollgruppen. In den Gruppen 2 und 3 waren die Unterschiede statistisch signifikant. Die Tiere in diesen Gruppen suchten zum großen Teil von sich aus noch über die 20 Minuten der zwangsweisen Besonnung hinaus den Aufenthalt unter der Anlage.

 

 

Diskussion

Die Ergebnisse zeigen, dass unter sonst gleichen Fütterungs- und Haltungsbedingungen signifikante Steigerungen der Tageszunahmen durch Besonnung mit Licht aus dem UVA- und UVB-Bereich erreicht werden können. Da dieser Effekt bereits bei Besonnungszeiten von etwa 1 Stunde/Tag zu erzielen ist, erscheint das Verfahren der künstlichen Besonnung in der Fressermast wirtschaftlich interessant zu sein. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass eine Tierhaltung, die ausschließlich unter Kunstlicht bzw. unter stark eingeschränkter Zufuhr von natürlichem Licht erfolgt, einen Mangelzustand darstellt, der sich u. a. in verminderten Tageszunahmen äußert. Diese Erkenntnis ist um so erfreulicher, als sie belegt, dass sich artgerechte und wirtschaftliche Tierhaltung nicht entgegenstehen müssen. Die Besonnung von Fressern mit dem untersuchten Verfahren führt zu einer Verbesserung des Masterfolgs sowie zu einer tiergerechten Haltung ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand zu vertretbaren Kosten.

 

Die ausführliche Arbeit kann gern im Werk angefordert werden.