Pferde sind bekanntlich „Dauerfresser“ – in der freien Natur fressen sie fast in der gesamten Zeit des wachen Zustandes, stehen mal eine ½ Stunde und dösen, dann fressen sie wieder.
Seit der Domestizierung vor rund 2000 Jahren, ist der Mensch dafür verantwortlich, den Pferden regelmäßig in ausreichendem Quantum Futter zukommen zu lassen. Die Pferde werden also in der Regel 3 x täglich gefüttert, was durchaus nicht artgerecht sein kann.

Die Redaktion RHEINLANDS REITER-PFERDE hat sich zur Klärung dieser grundsätzlichen Aufgaben an einen Experten gewendet, den Geschäftsführer des Herstellers der bekannten WEINSBERGER Kraftfutter-Dosiergeräte, Herrn Wolfram Stendel, und ihm die nachfolgenden Fragen gestellt:

 

Seit geraumer Zeit stellen Sie Futterautomaten her. – Wie kam es denn zur Idee der automatischen Fütterung?

Stendel: Zunächst vorab: WEINSBERGER Kraftfutter-Dosiergeräte sind keine Futterautomaten. Futterautomaten verabfolgen die Futterportionen wie bei der Handfütterung im Prinzip der Schüttfütterung. Zum Entschluss, die Pferde automatisch zu versorgen, kam es, einmal weil man erkannte, dass die 3malige Fütterung, die eigentlich nur in Anpassung an das „menschliche Fressverhalten“ so eingerichtet wurde, viel zu wenig ist, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen kann es sich niemand erlauben, zwischen den 3 Mahlzeiten noch je 3 oder 4 x zu füttern.

Hinzu kam, dass man Möglichkeiten suchte, zeitunabhängig zu werden, denn nicht jeder kann es einrichten, zu den vorgegebenen Zeiten jeweils pünktlich im Stall zu sein.

 

Ihrem Ansatz liegt die sogenannte naturnahe Fütterung zugrunde. Was genau ist darunter zu verstehen?

Stendel: Das Pferd, das ja mit seinen 60 Millionen Jahren viel älter ist als der Mensch mit 10 Millionen Jahren, wenn man die Primaten mit hinzurechnet, hat sich ja ganz auf das Dauerfressen in seiner Physiologie eingestellt, d. h. es hat im Vergleich zur Körpermasse einen viel kleineren Magen und angepassten Darmtrakt als der Mensch in seinen Körperverhältnissen, also muss es häufiger gefüttert werden, in kleineren Portionen.

 

Sicherlich gab es an anderer Stelle bereits früher Ansätze zur Verbesserung. Wie sehen diese aus und worin liegt der entscheidende Unterschied zu WEINSBERGER Kraftfutter-Dosiergeräten?

Stendel: Dazu muss man sich zunächst vor Augen führen, was erfolgte bei der Handfütterung:

Wenn der Futterwagen in die Stallgasse kam gab es Remmidemmi, die Pferde waren aufgeregt, stießen mit den Hufen gegen die Boxenwände und waren alles andere als gut vorbereitet für die ruhige Aufnahme des Futters. Warum war das so? Ganz einfach – weil die Pferde im echten Sinne des Wortes Hunger hatten.

Dann bekamen sie in Form der sogenannten Schüttfütterung das Futter in den Trog gekippt und stürzten sich auf diesen kleinen Futterberg, indem manche Pferde direkt reinbissen, sich das Maul vollstopften und dann oftmals den Kopf hochrissen – aus Futterneid – um sich zu vergewissern, dass Ihnen kein anderes Pferd das Futter wegnimmt, obwohl sie getrennt in den Boxen stehen. Dabei fiel oftmals ein Teil des Futters aus dem Maul, unwiederbringbar auf den Boxenboden.

Sogleich setzte dann eine weitere unerfreuliche Gewohnheit ein: die Fressgier, d. h. das Futter in dem übervollen Maul wurde schnellstmöglich heruntergeschlungen, zum größten Teil unzerkaut.

Das hatte man vor Jahrzehnten schon erkannt, dass nämlich mit dem Pferdekot dann unzerkaute Körner ausgeschieden wurden und so entwickelte man die Haferquetschen, mit dem Vorteil, dass trotz des mangelhaften Kauens, die Magensäfte einwirken konnten, auch wenn das Futter nicht ausreichend eingespeichelt war.

Durch das gierige Fressen der nervösen Pferde kam es auch oftmals zu Verdauungsstörungen oder zu Koliken.

Auch die Futterautomaten geben das Futter in Schüttfütterung in die Tröge.

Der wesentliche Unterschied der Kraftfutter-Dosiergeräte zu Futterautomaten liegt in dem Ergebnis der Gemeinschaftsentwicklung der Bundesforschungsanstalt und WEINSBERGER, der sogenannten Trippelfütterung, die sowohl für die Bundesforschungsanstalt als auch für WEINSBERGER in Details patentamtlich geschützt ist.

Dabei wird das Futter je Portion über mehrere Minuten ganz allmählich in den Futtertrog gestreut und zwar so wenig, wie die Pferde es gerade aufnehmen können mit den Lippen.

Das hat zur Folge, dass die Pferde das gesamte Futter sehr gut kauen und extrem gut einspeicheln. So wird das Futter ganz wesentlich besser aufgeschlossen.

Darauf ist auch die enorme Futtereinsparung – zum Teil bis über 30 %, je nach Füttrigkeit der Pferde – zurückzuführen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass sich das Gebiss auf natürliche Weise abnutzt und es praktisch gar nicht mehr zum Nachbearbeiten des Gebisses kommt.

 

Sie sagen, die Vorteile sind vielfältig für Mensch und Tier. Können Sie Vorzüge im einzelnen nennen, z. B. für den Pferdehalter?

Stendel: Vorweg muss ich sagen, es gibt keinen einzigen Nachteil der Kraftfutter-Dosiergeräte, der uns bekannt geworden wäre.

Für den Pferdehalter ist es wichtig: die völlige Zeitunabhängigkeit und Entlastung von der Verpflichtung zur regelmäßigen Fütterung. Durch die selbsttätig geregelten präzisen Futtergaben – man kann Heilig Abend oder Ostersonntag morgen einfach vergessen – die Pferde sind stets bestens versorgt.

Die enorme Zeitersparnis ist ein weiterer großer Vorteil, denn bei der Einzelplatzversorgung muss man nicht mehr 3 x täglich zum Füttern kommen, sondern 1 x, maximal 2 x wöchentlich die Behälter nachfüllen und hat so viel mehr Zeit, sich um die Pferde selbst zu kümmern oder anderen Dingen nachzugehen.

Bei den Kraftfutter-Dosiergeräten, die über Zentrale Versorgung direkt aus dem Silo beschickt werden, ist der Arbeitsaufwand absolut NULL.

Viele berufstätige Pferdehalter sind völlig zeitunabhängig und haben immer die absolute Gewissheit, dass Menge und Zeit eingehalten werden.

Der Pferdehalter ist auch unabhängig von Fress- und Ruhezeiten und kann jederzeit die Pferde zur Arbeit rausnehmen, denn sie sind nur immer schwach belastet in der Verdauung.

Für einen Pferdemenschen ist natürlich die deutlich verbesserte Wirtschaftlichkeit – einmal durch die Einsparung von Futter und zum anderen durch die markante Zeitersparnis – von großer Bedeutung.

Für den Menschen aber auch für die Pferde ist es wichtig, dass absolute Ruhe in den Stall einkehrt durch den Einsatz der Kraftfutter-Dosiergeräte. Die Pferde sind viel ausgeglichener und ruhiger, zeigen keine Spur mehr von Futterneid.

 

Und für die Pferde selbst?

Stendel: Es ist die artgerechte Form der Fütterung durch den Menschen. Kein Futtermeister kann so gut füttern, schon weil es ihm die Zeit gar nicht erlaubt.

Das gleichmäßige ruhige Fressen und gutes Kauen sind die wichtigsten Voraussetzungen für gesunde Verdauung und optimale Futterverwertung.

Es ist kein einziger Fall von Kolik mehr bekannt seit der Fütterung mit den Kraftfutter-Dosiergeräten.

Wir kennen sogar zwei sog. „Extrem-Koliker“ in ganz verschiedenen Ställen, die alle paar Tage eine Kolik hatten – seit die Pferde über die Kraftfutter-Dosiergeräte versorgt werden, haben sie keine einzige Kolik mehr gehabt.

Selbst in Pensionsställen, in den vorerst nur einige Einsteller sich die Kraftfutter-Dosiergeräte angeschafft haben, kümmern sich ihre Pferde überhaupt nicht mehr um den hereinkommenden Futterwagen.

Von den Pferdehaltern wiederum wird sehr gelobt, dass die Pferde viel ausgeglichener sind.

 

Ist nur die Gabe einer Futtersorte möglich oder können auch Zusatzfutter und evtl. notwendige Medikamente verabreicht werden?

Stendel: Bei der Einzelplatzversorgung kann theoretisch jedes Pferd ein anderes Futter bekommen.

Es ist jederzeit möglich, Medikamente beizumischen oder auch Zusatzfutter zu geben. Wir empfehlen jedoch, das Zusatzfutter am Putzplatz zu geben und die Pferde sind froh, hier noch ein Leckerli zu bekommen. Das trifft insbesondere zu für Anlagen mit Zentraler Versorgung direkt aus dem Silo.

Bei diesen wird in der Regel eine Futtersorte verabreicht – das kann z. B. Hafer oder ein Korngemenge mit Gerste oder Mais oder Pellets, ganz beliebig, was jeder verfüttern möchte, sein. Es ist auch möglich, zu getrennten Mahlzeiten unterschiedliche Futter zu geben.

 

Sie sprechen also u. a. von einer Rückkehr zu einer ursprünglichen Fütterung. Aber durch technischen Fortschritt hat sich auch vieles verändert. Wie sehen Sie das?

Stendel: Gerade durch den technischen Fortschritt der patentamtlich geschützten Trippelfütterung konnten Ergebnisse erreicht werden, was bei der Handfütterung gar nicht möglich war.

 

Bei der manuellen Fütterung werden ja auch Tröge und Tränken auf Sauberkeit und Funk- tion geprüft. Muß dieser „Arbeitsgang“ nach wie vor manuell erledigt werden?

Stendel: Es muss jedem klar werden, dass er bei dem Einsatz der Kraftfutter-Dosiergeräte ja deutlich mehr Zeit zur Verfügung hat, sich den Pferden zu widmen, d. h. nicht nur Tröge und Tränken zu überprüfen, sondern auch mehr Zeit zum Umgang mit dem Pferd zu haben.

Man sieht ja auf einen Blick, ob in Trog oder Tränke geäpfelt wurde aber das sonst erforderliche Ausputzen der Tröge, weil die Pferde ja während des seitherigen Fressens stärkere Speichelabsonderung in den Trog brachten, ist völlig unnötig. Die Pferde nehmen ja mit den Lippen jedes kleinste Körnchen auf und der Trog ist ständig wie geputzt.

 

Also Vorteile zum seitherigen Betrieb – wie sehen denn diese aus?

Stendel: Zunächst einmal sind die Geräte vollkommen wartungsfrei, sie müssen auch nicht geputzt  werden. Sie reinigen sich von selbst.

Die absolute Verlässlichkeit ist wohl das Bedeutendste für Mensch und Pferd überhaupt.

Wir haben eine riesige Zahl von Zuschriften, die wir auch teilweise in Auszügen veröffentlicht haben, unter Nennung der Namen und Orte der Besitzer: die Beurteilung liegt zwischen „sehr zufrieden“ und „hoch begeistert“ – darunter gibt es überhaupt nichts.

 

Wie kann man feststellen, ob das Pferd das Futter tatsächlich aufgenommen hat?

Stendel: Alle Geräte haben Schaugläser bzw. bei der Zentralen Versorgung durchsichtige Rohrteile.

 

Nun zum Kraftfutter-Dosiergerät selbst: wie kann man sich die Geräte vorstellen?

Stendel: Sowohl die Geräte der Einzelplatzversorgung als auch bei der Zentralen Versorgung direkt aus dem Silo sind aus einem hochzäh-elastischem Kunststoff gefertigt, der außerordentlich robust und widerstandsfähig ist. – Es gibt Geräte, die schon seit 16 Jahren im Einsatz sind.

Die Füllmenge, sowohl bei den Eckbehältern, die in der Box angebracht werden, als auch bei den Flachbehältern, die in der Stallgasse montiert werden – hat ungefähr 30 Liter.

Das Herzstück ist die sog. Zellkammer, die durch das sehr langsame Rotieren des Zellrades immer nur ganz wenig Futter ausstreut.

 

Einige Fakten zu den Behältern und ihrer Funktionsweise?

Stendel: Der Betrieb erfolgt über zentrale Steuergeräte. Diese werden angeschlossen an 230 Volt Netzstrom. Es gibt aber auch Geräte, die über Batterie bzw. Akku betrieben werden.

Die Betriebsspannung liegt bei 12 Volt.

Der Stromverbrauch ist äußerst gering und fast nicht messbar, so z. B.: die Einheit 1 Kilowattstunde ist fast jedem bekannt. – Mit 1 kW ist 4.000 x füttern möglich, d. h. also 10 Jahre lang.

Verglichen zum Stromverbrauch für den menschlichen Genuss: mit dem gleichen Aufwand kann man nur etwa 50 Tassen Kaffee kochen.

Das entscheidend Wichtige ist die absolute Zuverlässigkeit. – Wir haben Geräte bei Kunden, die z. T. schon über 16 Jahre laufen – vollkommen störungsfrei.

 

Nachdem die Entwicklung gemeinsam mit der Bundesforschungsanstalt erfolgte – existieren auch Studien über den praktischen Einsatz?

Stendel: Es gibt bisher 7 internationale Diplom-Arbeiten und 1 Studie einer Hochschule. – Sie sehen also, es ist alles wissenschaftlich unterlegt und vollkommen verlässlich.